Wenn der Wald schreien könnte

Offener Leserbrief von Dr. Edmund J. Daum, Völkersbach und Klaus Haßler, Schluttenbach, an Bürgermeister Himmel, Gemeinde- und Ortschaftsräte Malsch und angeschlossene Gemeinden

Nachdem Malscher und Ettlinger Bürger selbst Öffentlichkeit zur Windkraftplanung Malsch hergestellt hatten, konnte man  über die Maßlosigkeit der Planung nur verwundert sein.. Zwölf Anlagen der weltgrößten Art mitten in das Naherholungsgebiet und teilweise Naturschutzgebiet und unweit von menschlichen Ansiedlungen zu stellen, war zunächst unbegreiflich. Noch überraschter konnte man darüber sein, wie der Malscher Bürgermeister und seine Räte die Aufstellung im Malscher Lebens- und Erholungsraum beinahe durchgewunken haben. Nach und nach erlauben nun zusätzliche Erkenntnisse eine nähere Betrachtung, wie es zu dieser Entwicklung/Fehlplanung kommen konnte. In solchen Fällen geht es in der Regel weder um alternative Stromerzeugung noch um Ökologie und auch nicht um gesundheitliche Belange der betroffenen Anwohner, sondern schlicht um Geld. Auf Vorschlag der Gemeinde  Malsch, wohl nach entsprechenden Vorgesprächen, sollten (unabhängige) Gutachter die Planung durchführen und geeignete Standorte vorschlagen. Laut Beschluss des Malscher Gemeinderats, veröffentlicht im Amtsblatt vom 09.02.2012 wurde unter anderem als Gutachter die aber gar nicht so unabhängige Südwestwind Neue Energie GmbH beauftragt. Ein kurzer Blick auf die Homepage dieses Unternehmens hätte erbracht, dass man sich (als 3-Mann-Betrieb?) mit der Projektierung und dem Betrieb von Windkraftanlagen beschäftigt. Wohl nicht ganz zufällig wird ergänzend per Link auf die Firmen Windreich AG, einen Investor, und die Firmen Enercon und Fuhrländer, zwei Hersteller von Windkraftanlagen, verwiesen. Laut Bilanz der Fa. Windreich AG von 2010 ist dieser Investor mit 45 % Anteilseigner von Südwestwind Neue Energien GmbH und praktischer Weise auch noch zu 16,87% Anteilseigner beim Hersteller Fuhrländer. Die Zusammenarbeit zwischen Investor und – unabhängigem Planer – ist so freundschaftlich, dass der Geschäftsführer der Südwestwind Neue Energien GmbH seit 2010, laut Hinweis der Fa. Windreich AG, zugleich deren ordentliches Aufsichtsratsmitglied ist. Ganz praktisch saß dann der unabhängige Gutachter, nämlich die Fa. Südwestwind Neue Energien GmbH auf dem Podium zur Bürgerinformation und unterrichtete Malscher Rat und Malscher Bevölkerung … natürlich ganz objektiv!! Der Beauftragte dieser Firma zeigte in einer Präsentation, die jeder Bürger auf der Homepage der Stadt Malsch aufrufen kann, ein „Beispielfundament“ eines Windrades von vielleicht 3-4 Meter Durchmesser. Tatsächlich sind – für jede der 12 geplanten Anlagen der sogenannten Leistungsklasse – 140 Betonmischer im Stundentakt, also Tag und Nacht über sechs Tage hinweg, zum Transport des Betons für das Fundament erforderlich. Weiterhin verwies der unabhängige Gutachter auf „garantierte Zahlungen“ an Malscher Vereine. Woher er die Garantie wohl kannte? Eine solche Zusage kann nur die Geschäftsführung der Betreibergesellschaft geben; der Gutachter spricht also wohl schon als Organ einer zukünftigen Betreibergesellschaft.  Weiterhin wurden nur positive wirtschaftliche Zahlen, wie z. B. Pachtzahlungen an die Gemeinde Malsch genannt, die durch keine konkrete Berechnung den Bürgern gegenüber belegt wurde. Leider „vergaß“ der Planer bspw. den erforderlichen autobahnähnlichen Ausbau der Zuwege und die komplette Ausräumung des Aufbaugeländes mit der Zerstörung gewaltiger Erholungs- und Nutzflächen an Wald. Auch wurde in diesem Zusammenhang  mit keinem Wort die Zerstörung großer Flächen von Nutzwald und der daraus resultierende wirtschaftliche Nachteile für die Gemeinde Malsch erwähnt. In gleicher Weise blieb  die Beantwortung der Frage aus, wie denn der Strom abgeleitet werden sollte, bspw. durch Freileitungen oder durch Bodenleitungen mit Tiefgründung und weiterem Waldverlust. Immerhin gab der Gutachter  zu bedenken, dass der Darstellung des Windvorkommens keine konkrete Messung, sondern nur ein statistischer Wert zugrunde liege. Windhöffig bedeute doch … die Hoffnung auf Wind. Wenn nicht aufmerksame Bürger dies öffentlich gemacht hätten, wäre zu befürchten gewesen, dass  die Malscher Gemeinderäte und ihr Bürgermeister als auch der Völkersbach Ortschaftsrat gutgläubig einem von Gewinnmaximierung eingefärbten Gutachten gefolgt wären. Die Gemeinde Malsch, aber vor allem deren Bürger, hätten dafür einen Preis bezahlt, der ganz bestimmt in keinem Verhältnis zu den zumindest hoch fraglichen und durch nichts belegten  wirtschaftlichen Vorteilen des geplanten gewaltigen  Windparks gestanden hätte. Nämlich: Zerstörung des Naherholungsgebiets und des Lebensraum der Bürger der gesamten Gemeinde Malsch, die auch mit erheblichen gesundheitlichen Belastungen Bürger verbunden sein können.  Nach den gesetzlichen Bestimmungen dürfen zu Gutachtern nur Personen/Unternehmen ernannt werden, die aus der Planung keinen Vorteil ziehen können. Die Gemeinde Malsch war ganz offensichtlich nicht neutral, sondern einseitig  beraten; dabei wären die wirtschaftlichen Vorteile letztendlich und mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Gemeinde Malsch und deren Bürgern, sondern vor allem den „Initiatoren“, Projektgesellschaften zu gute gekommen. Nur vor diesem Hintergrund sind auch die einseitigen „gutachterlichen“ Stellungnahmen der Fa. Südwestwind Neue Energien GmbH zu verstehen. Die Gemeinde Malsch  sollte  die berechtigten Bedenkung und Sorgen der Bürger als Chance nutzen und ihre bisherigen Planansätze  durch eine komplette Neuplanung mit Schutz der Natur, des Waldes und der Bürger durchführen. Bei diesen Überlegungen sollte auch bedacht werden, dass bereits durch drei bis vier Windkraftanlagen 100 % des Strombedarfs der Gemeinde Malsch gedeckt werden können. Allein schon eine(!)  Windkraftanlage würde weit mehr an regenerativer Energie erzeugen als die vom Gesetz geforderten  10 %.  Mit dem geplanten Windpark von z. B.  zehn bis zwölf Anlagen der Leistungsklasse würde die Gemeinde Malsch die gesetzlichen Mindestanforderungen um das fünfzehn bis zwanzigfache übertreffen. Erst diese Relationen verdeutlichen, dass eine maßvolle Erfüllung der gesetzlichen Normen nicht Motivation der Gemeinde Malsch und vor allem ihrer „Gutachter“ sein konnte. Die Gemeinde Malsch sollte vielmehr mit einem in sich stimmigen Energiekonzept, das auch andere regenerative Energieproduktionen mit einbezieht, überlegen, ob  Windkraftanlagen auf dem Gebiet der Großgemeinde Malsch  nicht durch andere effizientere regenerative Energieerzeugung überhaupt ersetzt werden können.

Dr. Edmund J. Daum, Völkersbach; Klaus Haßler, Schluttenbach

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