Kamerasystem

01-Fotograf

1.1  geeignetes Kamera-System

Sie liebäugeln mit dem Gedanken, sich näher mit der Tierfotografie zu beschäftigen. Früher oder später kommt unweigerlich die Frage auf: Welche Ausrüstung ist die Richtige? Die Auswahl an Kameras, Objektiven und Zubehör am Markt ist unüberschaubar – häufig ganz im Gegensatz zum Budget, welches zur Verfügung steht.

1.1.1  Was muss die Kamera können

Das Herzstück der Tierfotografen-Ausrüstung ist eine Spiegelreflex-Kamera mit Autofokus-System. Der Begriff „Spiegelreflex“ bedeutet, dass Sie Ihr Motiv über ein System von unterschiedlich angeordneten Spiegeln, die sich im Inneren des Kameragehäuses befinden, unmittelbar „durch das Objektiv“ im Sucher sehen können. So können Sie bereits vor der Aufnahme beurteilen, was abgebildet wird. Analoge Geräte sind nahezu komplett verschwunden, der Markt wird von digitalen Geräten dominiert.

Der entscheidende Vorteil einer Spiegelreflex-Kamera gegenüber einer Bridge- oder Kompaktkamera liegt darin, dass man beider Spiegelreflexkamera die Objektiveaustauschen kann. So kann Ihre Ausrüstung langsam wachsen und sich an Ihre Bedürfnisse anpassen. Es gibt nicht DIE Tierfotografie-Kamera oder DIE Makrofotografie-Kamera, sehr wohl aber eine riesige Auswahl an Objektiven für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche.

Beachten Sie: Der Anschluss, das sogenannte Bajonett, ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich! Objektive von Nikon passen also nicht auf eine Canon-Kamera, und umgekehrt. Die Kaufentscheidung fällt somit nicht nur für eine Kamera, sondern gleich für ein ganzes Kamera-System.

TIPP: Ich empfehle, nur den „Body“ einer Kamera zu kaufen (ohne Objektiv) und das geeignete Objektiv (siehe Punkt 1.2. Geeignete Objektive) für die Tierfotografie gesondert dazu zu kaufen. Die im Angebot einer Kamera enthaltenen Kit-Objektive sind für die Tierfotografie nur bedingt geeignet.

 

LG-Canon_5D_Mark_III

Spitzen-Kamera, lichtstark und ausgestattet mit 61 Autofokus-Punkten. In 2016 soll ein Nachfolgemodell auf den Markt kommen. Meine absolute Empfehlung für Action- und Vogel-Fotografie.

 

1.1.2  Größe des Sensors

Ob Sie sich nun für ein Modell mit 12 Mega Pixel (MP) oder 15 MP entscheiden, ist für den Einstieg absolut unwichtig. Nicht die Anzahl der Pixel ist ausschlaggebend, sondern deren Größe, sowie das damit in direktem Zusammenhang stehende. sog. Rauschverhalten des Sensors, vergleichbar mit dem Korn von einem hochempfindlichen Film.

Es gibt im Wesentlichen 2 unterschiedliche Sensor-Formate, die für Tierfotografen interessant sind: Den Vollformat-Sensor und den etwas kleineren APS-C Sensor. Der Vollformat-Sensor ist genau so groß wie früher ein Kleinbild-Dia bzw. Negativ, nämlich 24x36mm. Die kleineren APS-C Sensoren sind etwa 23,6 x15,8mm groß, bei Canon 22,2×14,8mm.

In Bezug auf die Bildqualität sind die derzeit erhältlichen Vollformat-Sensoren von Nikon (D700, D3x/s) das Maß aller Dinge. Für den Einstieg in die Tierfotografie sind diese Kameras aber aus 2 Gründen nicht geeignet:

  1. Preis: Die Gehäuse kosten ab ca. 2.200 € aufwärts. Viel zu teuer für einen Einstieg in die Tierfotografie!
  2. Fehlende „Brennweite“. Bei Vollformat-Sensoren ist der Bildwinkel eines 300mm Objektivs deutlich größer als bei einer Kamera mit kleinerem (Crop)-Sensor. Setzen Sie das 300mm-Objektiv z.B. an eine D90 mit einem Crop-Faktor von 1,5, entspricht der Bildwinkel einem Objektiv mit 450mm Brennweite. Man sagt, man kann das Motiv näher „heranholen“. Letztendlich ist aber einfach nur der Bildausschnitt deutlich kleiner.

Mein Rat: Suchen Sie sich für den Einstieg in die Tierfotografie eine Kamera mit APS-C Sensor aus!

Ich benutze das CANON-System und stelle hier gern folgenden Wiki-Link mit einer Auflistung von CANON-Kameras mit entsprechenden Sensoren bereit
Andere Hersteller bieten ähnliche Kamera-Modelle.

1.1.3  Autofokus

Autofokus ist die technische Bezeichnung für “automatische Scharfeinstellung”. Die Kamera stellt anhand von Sensoren und einem in die Kamera oder dem Objektiv eingebauten Motor automatisch auf das gewählte Motiv scharf. Die Autofokus-Technik wurde in den letzten Jahren in großen Schritten weiterentwickelt. Während man für Landschafts- und Makrofotografie sehr gut auf den Autofokus verzichten kann, arbeiten heute nur noch sehr wenige Tierfotografen ohne dieses Hilfsmittel. Meine eigene Autofokus-Einstellung bei meiner CANON-Kamera nennt sich z.B. AI Servo (für dynamische Motive). Durch spezielle Algorhythmen versucht die Software in der Kamera schon eine Vorausberechnung des Weges des sich bewegenden Motivs, das sich beim aktiven AF-Sensor befindet.

Für Anfänger empfiehlt sich auf jeden Fall die Verwendung einer Autofokus-Kamera. Es hat sicherlich auch seinen Reiz, ältere, manuell zu fokussierende Spiegelreflexkameras zu verwenden. Dies erfordert aber gerade in der Tierfotografie sehr viel Training und Erfahrung, um zu brauchbaren Ergebnissen zu gelangen. Eine moderne Autofokus-Kamera ermöglicht einen deutlich einfacheren Einstieg, und Sie werden sich schnell an den ersten scharfen und auch korrekt belichteten Ergebnissen erfreuen. Oftmals hat man gar keine Zeit, lange zu fokussieren. Das Tier „huscht“ zu schnell vorbei.

Wichtig: Achten Sie darauf, dass Ihre Wunschkamera ausreichend viele Autofokus-Messfelder besitzt. Je höher die Anzahl der Messfelder, desto präziser lässt sich Ihr Motiv scharf stellen. Eine Nikon D40 mit nur 3 Messfeldern ist beispielsweise völlig ungeeignet für bewegte Motive. Mit den 11 Messfeldern einer Nikon D90 oder den 9 Messfeldern einer Canon 500D macht der Einstieg richtig Spaß. Meine CANON 5D Mark III besitzt 61 Autofokus-Punkte – das ist ein wesentlicher Vorteil.

1.1.4  Serienaufnahme

Die Möglichkeit, schnell viele Bilder hintereinander fotografieren zu können, ist besonders wichtig.

Zu Beginn Ihrer Tierfotografen-Karriere werden Sie sicher zunächst Tiere in Ihrem Lebensraum oder Portraits ablichten. Aber irgendwann – und meistens schneller als Sie denken – kommt dann doch der Wunsch, den Vogel im Flug zu erwischen.
3 Bilder pro Sekunde sind das absolute Minimum.
In der Einstiegsklasse bietet die Canon 500D 3,4 Bilder/s, die Nikon D90 sogar 4. Damit sind Sie für Ihren ersten Flugaufnahmen gewappnet. Zum Vergleich: Profi-Gehäuse liefern heute 9-10 Bilder/s. Aber trösten Sie sich: Die Profis brauchen so auch viel mehr Zeit zum Sortieren Ihrer Fotos.

1.1.5  Welcher Hersteller ist der Richtige

Die Firmen Nikon und Canon gehören zu den Marktführern und stellen ein umfangreiches System zur Verfügung; es gibt jedoch auch noch eine Reihe weiterer Hersteller, deren Kameras für Tierfotografie geeignet sein sollen. 

Ich nutze seit langem das CANON-System, weil dieser Hersteller ein umfangreiches Sortiment an Objektiven, Blitzgeräten und anderem Zubehör bietet. Einem Anfänger mit begrenztem Budget steht bei CANON ein umfangreicher Gebrauchtmarkt zur Verfügung, auf dem Top-Equipment zu vernünftigen Preisen erhältlich ist. 

1.1.6  Die Wahl der Kamera

Das sollten Sie ganz allein entscheiden und von Ihren eigenen Vorlieben abhängig machen. Vernünftiger wäre es natürlich, die Kamera eher nach den Anforderungen auszuwählen. Aber als Einsteiger kennen Sie die nun leider halt noch nicht.

Von den Profi-Maschinen und ausgeklügelten Autofokus-Systemen lassen Sie am Anfang besser die Finger. Anfänger sollten vielmehr eine Kamera wählen, die einerseits gewisse Automatikfunktionen bietet, andererseits aber auch bereits die fotografische Weiterentwicklung berücksichtigt und manuelle Eingriffe z.B. für Belichtungs-Korrekturen zulässt und evtl. sogar Speichertasten besitzt. 

TIPP: Schauen Sie zu jeder Kamera auf die Herstellerseite im Internet in die „Technischen Daten“. Dort erhalten Sie alle wichtigen Informationen zum Kameramodell.

Investieren Sie in ein System, das auch Ihren zukünftigen Anforderungen gerecht werden kann. Ein Wechsel zwischen Systemen zu einem späteren Zeitpunkt ist in der Regel recht kostspielig, da alle Bestandteile komplett neu angeschafft werden müssen.

1.1.7  Der neue CANON-Star, CANON EOS-1 DX – Das Flaggschiff

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Jeder, der eine Canon 1er in der Hand gehabt hat, weiß wie es sich anfühlt – einfach solide. Die 1DX setzt noch einen drauf, da sie etwas schwerer geworden ist und entsprechend liegt sie noch wuchtiger in der Hand. Ansonsten hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert. Neben dem Bajonett befinden sich nun zwei Funktionstasten im Querformat und ebenfalls zwei Funktionstasten im Hochformat…Radomir Jakubowski, einer der führenden Naturfotografen, stellt seine Erfahrungen mit der CANON EOS 1DX vor.
mehr lesen… 

Meine Ausrüstung habe ich um diese Kamera erweitert und bereue keinen Cent. Einfach unübertroffen, was damit möglich ist! Diese Kamera ist wunderbar geeignet für Action-Fotografie. Das Fotografieren bei Dämmerung und bei besonders schlechten Lichtverhältnissen ist verbessert worden – bis zu ISO 6400 sind die RAW-Bilder von recht guter Qualität (bei lichtstarken Objektiven), besonders in Verbindung mit Lightroom oder Photoshop. Da lässt sich einiges herausholen, auch wenn das Wetter grau und wenig Licht vorhanden ist. 

1.1.8 Canon EOS 6D, Vollformat-Kamera

Zur Zeit probiere ich die neue Vollformat-Kamera CANON EOS 6D aus. Eine 20,2 Megapixel DSLR mit Vollformatsensor im kompakten Design, sie wiegt nur 775 g (ideal zum Transport auf einem MTB) und besitzt einen 11-Punkt-AF. Ideal für Porträtfotografie bietet die Kamera eine exakte Steuerung der Schärfentiefe und für Reiseaufnahmen die Kompatibilität zu einer großen Auswahl an Weitwinkelobjektiven aus der Canon EF Serie. Auch für die Wildlife-Fotografie eignet sich die Kamera sehr gut, wie man an entsprechenden Fotos erkennen kann.
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1.1.8 Canon EOS 7D

Canon ist es mit der EOS 7D gelungen, im APS-C-DSLR-Segment neue Maßstäbe zu setzen. Hatte man einer Nikon D300 oder D300S lange nichts entgegen zu setzen, hat sich das nun deutlich zugunsten von Canon verschoben. Dafür hat der Kamerahersteller aber auch alle Register gezogen und Autofokusmodul, Sucher, Ausstattung und vor allem die Bedienung gegenüber der EOS 50D deutlich überarbeitet und verbessert. Zwar zwingt die Anordnung der Bedienelemente manchen langjährigen Canon-Fotografen zur Umgewöhnung, aber die Einarbeitung lohnt sich. Selbst bei der Bildqualität bricht die EOS 7D zumindest bei der Auflösung alle bisherigen Rekorde – Voraussetzung ist allerdings ein entsprechend gutes Objektiv. Alles in allem leistet sich die EOS 7D praktisch keine eklatanten Schwächen, und so bekommt der ambitionierte Hobbyfotograf sowie der Profi gleichermaßen ein Werkzeug an die Hand, das seinesgleichen sucht.
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Link: Wildlife-Settings für die CANON 1DX
Link: Autofocus (AI Servo) for Birds in Flight für CANON 1 DX, 5 D Mark III und die 7D

Quelle Artikel: C. Brandt; B. Haßler

Hier noch ein interessanter Link mit weiteren Tipps
Digital Fotografieren und Filmen
NABU-Link: Tipps und Tricks für bewegte und unbewegte Naturbilder

weiter…

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